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Wildbienen

Erstellt von H.-J.Flügel
Stand: 09.01.2016

aus dem Bereich des Lebendigen Bienenmuseums

Bienen sind die jüngste Gruppe der Hautflügler und haben sich gemeinsam und in voller Abhängigkeit mit den Blütenpflanzen entwickelt. Alle Bienen betreiben eine intensive Brutpflege, indem sie ihre Brut entweder selbst versorgen oder - wie der Kuckuck - ein geeignetes Nest suchen, um ihre Brut dort von Pflegeeltern ernähren zu lassen.

Im Bild ist ein Weibchen der Wollbiene Anthidium manicatum beim Blütenbesuch an Herzgespann, Leonurus cardiaca, zu sehen. Die Wollbienen bevorzugen Lippenblütler. Hier verteidigt das wesentlich größere Männchen eine Blütengruppe gegen alle anderen Blütenbesucher, so dass die Weibchen immer volle Nektardrüsen und Pollensäcke finden.

Artenliste Wildbienen

Auf diesem Link finden Sie die wissenschaftlichen Namen aller am Lebendigen Bienenmuseum gefundenen Wildbienen-Arten aufgelistet.

Wildbienenkataster

Hier sind die ersten Ergebnisse der kartographischen Darstellung der Verbreitung der Wildbienenarten in Deutschland zu sehen. Für Brandenburg stammen alle Nachweise vom Autor dieser Seite; für Hessen sind es vorwiegend die nordhessischen Nachweise.

Als Nahrung dienen sowohl den erwachsenen Bienen als auch deren Brut nur Produkte aus den Blüten: Nektar und Pollen. Etliche Bienenarten haben sich dabei auf nur wenige bis eine einzige Blütenpflanze spezialisiert, um deren Pollen zu sammeln.

Die meisten Wildbienen leben nur etwas mehr als einen Monat; in dieser Zeit müssen sie Hochzeit feiern, ein neues Brutnest anlegen und ausreichend Brut versorgen, um das Überleben der Art zu ermöglichen. Die jungen Bienen liegen dann bis zum nächsten Jahr geborgen in ihrer Zelle.

Ihre Nester legen viele Arten in der Erde an, wo sie Gänge graben und daran kleine Zellen bauen, in denen sie den Nahrungsvorrat lagern und die Eier legen. Andere nisten oberirdisch in Bohrgängen von Käfern in alten Baumstämmen, wieder andere nutzen trockene Schilf- und andere Pflanzenstängel oder abgestorbene Brombeerruten. Eine spezielle Nistweise ist die Anlage von Nestern in Erdabbrüchen, wie sie früher an mäandrierenden Flüssen vorkamen. Als Ersatzlebensraum dienen dieser Bienengruppe heute Lehmgefache alter Scheunen.

Im Gegensatz zu den meisten Wildbienen, die solitär sind, leben Hummeln und Honigbienen sozial in kleinen Staaten und produzieren zum Nestbau körpereigenes Wachs, woraus sie ihre Vorrats- und Brutzellen formen.

Am 25./26. Mai 2002 traf sich die Bundesarbeitsgruppe Hymenopterologie im Bundesfachausschuss Entomologie des NABU hier im Knüllwald zu ihrer Frühjahrstagung. Am Sonntag konnte dank des guten Wetters die Geländebesichtigung auch zur Erfassung des aktuellen Wildbienenbestandes genutzt werden. Thomas Wiesner gelang es dabei (ohne Auswertung der Furchenbienen), weitere drei Arten neu für das Gelände um das Lebendige Bienenmuseum nachzuweisen: Andrena lapponica, Psithyrus campestris und Nomada goodeniana. Dies sind relativ häufige Arten, die bisher wohl nur deshalb nicht erfasst wurden, weil neben der übrigen Arbeit kaum Zeit blieb, das eigene Gelände gründlich auf seinen Artenbestand zu untersuchen. Außerdem wurden bisher dem Gelände - aufgrund der in der weiteren Umgebung für blütenbesuchende Insekten sehr schlechten Ausgangssituation - nur sehr behutsam Tiere zur weiteren Bestimmung entnommen.

Eine erste Zwischenbilanz wurde im Herbst 2004 publiziert. Zur Veröffentlichung kamen 123 Bienenarten, die auf Gelände des Lebendigen Bienenmuseums und in seinem nächsten Umfeld gefunden wurden. Seither konnten wieder drei neue Arten für das Gelände nachgewiesen werden: die Sandbienen Andrena labiata und A. ovatula sowie die Kuckuckshummel Psithyrus sylvestris. Zuzüglich der drei Arten, die bisher nur durch Thomas Wiesner erfasst wurden, sind nun 129 Bienenarten von hier bekannt (12.2004).

Im Frühjahr 2005 konnte die 130. Wildbienen-Art auf dem Gelände beobachtet werden: mehrere Männchen der Weiden-Seidenbiene Colletes cunicularius patroullierten über die Böschung des Sandariums. Weibchen konnten bisher noch nicht beobachtet werden. Eine Woche später erhaschte ich für eine halbe Sekunde einen Blick auf eine große rote Blutbiene, die der Kuckuck der Weiden-Seidenbiene hätte sein können: Sphecodes albilabris. Wegen der Kürze der Beobachtungszeit bleibt diese Art vorerst noch unregistriert für unser Gelände. Dafür flogen während des gesamten Sommers an Natternkopf mehrere Weibchen und Männchen der Natterkopf-Mauerbiene Osmia adunca, womit nun gesichert 131 Wildbienen-Arten für unser Gelände nachgewiesen sind.

Im Frühjahr 2006 flogen bereits mehr als 50 Seidenbienen-Männchen am Sandarium, und die Blutbiene Sphecodes albilabris konnte dort ebenfalls mehrfach gesichtet werden. Erst gegen Ende dieses Jahres gelang die sensationellste Beobachtung: ein Weibchen der mediterran verbreiteten Holzbiene (Xylocopa violacea) konnte im Garten beim Blütenbesuch beobachtet und auch fotografiert werden. Und im neuen Frühjahr, 2007, flogen schon zahlreiche Männchen und Weibchen der Weiden-Sandbiene Andrena vaga am Sandarium, die im Frühjahr 2006 dort nur in einem Exemplar so flüchtig gesehen wurde, dass sie nicht in die Bestandsliste mit aufgenommen werden konnte. Im Juli 2007 konnten dann erstmals gleich mehrere Exemplare der wespenähnlich gezeichneten Düsterbiene Stelis signata beim Blütenbesuch beobachtet werden.

Im Juli 2009 endlich fand sich das erste Weibchen der Schenkelbiene Macropis fulvipes, nachdem im Frühsommer bereits die ersten Zaunrüben-Sandbienen (Andrena florea) in beiderlei Geschlecht gesichtet werden konnten. Es hatte sich im Gewächshaus unseres Gartens verflogen und wurde nach der Bestimmung und einer Stärkung mit einem Honigtropfen wieder frei gelassen.

Erstmals für Nordhessen nachgewiesen werden konnte im Mai 2012 die schmucke Sandbiene Andrena agilissima, die sich überhaupt erst seit den 1990er Jahren in Südhessen stärker ausgebreitet hat. Sonderbarerweise gelangen alle drei Nachweise dieser Art am Bienenmuseum an dessen Fenstern, während sie im Freiland noch nicht beobachtet werden konnte. Fensternachweise dieser Art scheinen nach den Berichten anderer Bienenfreunde häufiger zu sein. Eine weitere neue Bienenart, die Blutweiderich-Sägehornbiene, stellte sich im Spätsommer auf dem Gelände des Lebendigen Bienenmuseums ein. Die näheren Umstände ihres Auftretens sind unter dem Link Sumpfbeete nachzulesen.

Etwas peinlich: die Zweifarbige Sandbiene, Andrena bicolor, ist jedes Jahr im Garten zu beobachten, doch wurde nie ein Belegexemplar gefangen. So fand sich diese Art nicht in der Datenbank und blieb bei Auswertungen stets unberücksichtigt, bis bei der Aufstellung aller in der Gemarkung Niederbeisheim festgestellten Bienenarten das Versäumnis auffiel. Bei der Überprüfung einiger seltener Arten durch Hans Schwenninger zeigte sich, dass Osmia xanthomelana und Coelioxys rufescens falsch bestimmt waren. Außerdem wurde Bombus cryptarum gestrichen, da es sich bei neueren Untersuchungen zeigte, dass der Erdhummel-Artenkomplex ausschließlich durch die Analyse der Gensequenzen trennbar ist. Die Gesamtartenzahl an nachgewiesenen Bienenarten änderte sich trotzdem nicht, da andererseits bei drei Arten vergessen wurde, sie in diese Webseite zu übertragen.

Literatur:

Flügel, H.-J. (2004): Wildbienenfunde am Lebendigen Bienenmuseum Knüllwald (Hymenoptera Aculeata: Apidae). - Philippia 11/4: 259-280, Kassel

Flügel, H.J. (2007): Erste Beobachtungen der Blauen Holzbiene Xylocopa violacea (L., 1758) im Schwalm-Eder-Kreis (Nordhessen) (Hymenoptera: Apidae). - Bembix 24: 2-6, Bielefeld

Flügel, H.-J. (2013): Erster aktueller Nachweis der Blauschillernden Sandbiene Andrena agilissima (Scopoli, 1770) in Nordhessen (Hymenoptera Aculeata: Apidae). - Philippia 15/4: 347-352, Kassel

Tischendorf, S., U. Frommer, H.-J. Flügel, K.-H. Schmalz & W.H.O. Dorow (2009): Kommentierte Rote Liste der Bienen Hessens - Artenliste, Verbreitung, Gefährdung. - Hess. Min. Umwelt, Energie, Landwirtschaft u. Verbraucherschutz, 152 S., Wiesbaden
Eine pdf-Datei der Roten Liste der Bienen Hessens ist hier zu finden.

Leg.: Hans-Joachim Flügel et al.

Anz. der nachgewiesenen Arten: 158

Stand der Auswertung: 09.01.2016

Nützliche Links:

Wildbienen & Hummeln,     Wildbienen_Westrich, Stechimmenseite,     Soziale Stechimmenseite, Hymenopteren-Atlas,     HymIS;    Wikipedia: Bienen;   Welt-Verbreitungskarten;     Hymi_name server;     Weltartenliste Bienen       Bienen-Artenportraits

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